CICO*** Aachen - Nachlese

Das CICO*** in Aachen ist für die deutschen Reiter in jedem Jahr eine sehr wichtige Prüfung, denn es handelt sich nicht nur um einen Nationenpreis sondern zumeist auch um eine aufschlussreiche Sichtung in Richtung des bevorstehnden Championates, in diesem Fall den Weltreiterspielen in Kentucky. Aachen ist hier besonders geeignet, denn es bietet durch seine Rahmenbedingungen echte Championatsatmosphäre und die Geländestrecke ist deutlich im oberen Dreisternebereich zu sehen, besonders wegen der technischen Anforderungen.

Für Ingrid Klimke, deren FRH Butts Abraxxas in diesem Jahr einen noch besseren Eindruck macht und Andreas Dibowksi, dem Weltranglisten-Ersten, der mittlerweile in Serie vordere Platzierungen in Top-Prüfungen "produziert", endete auch das CICO*** sehr erfolgreich und man darf beide Paare wohl zu den sichersten Kandidaten für eine WM-Teilnahme nennen. Genauso ergeht es Michael Jung, der sein Top-Pferd La Biosthetique Sam FBW in Aachen zwar nicht am Start hatte, aber auch in diesem Jahr in höchstem Maße einen beständigen Eindruck, Siege und vordere Platzierungen abliefern konnte.

Nicht ganz zufrieden war in Aachen Frank Ostholt, der sich mit seinem Olympiapferd Mr. Medicott berechtigte Hoffnungen auf einen WM-Start macht. Nach der Pause in 2009 konnte er eine wichtige Qualifikation, das CCI*** in Saumur/FRA, gewinnen und Mr. Medicott zeigte sich auf "ländlichen" Turnieren in der Vorbereitung auf Aachen in Top-Form, konnte zuletzt sogar eine L-Dressur gewinnen. Im Stadion des CICO Aachen ließen sich dann weder in der Dressur noch im Springen die beste Leistung abrufen. Im Gelände zeigte sich das Paar dann von gewohnt sicherer Seite und wer Frank Ostholt kennt, wird nicht überrascht sein, wenn bei der nächsten Gelegenheit, nämlich dem CIC***-W in Schenefeld, wieder eine absolute Top-Leistung präsentiert wird. Er dürfte nach wie vor zu den sichereren WM-Kandidaten gehören.

In der Gruppe der potentiell wahrscheinlichsten Starter für Kentucky darf auch auf keinen Fall Dirk Schrade fehlen, dem es bereits im letzten Jahr gelungen ist, besonders mit seinen Top-Pferden King Artus und Gadget de la Cere, konstant gute Leistungen auch in Top-Prüfungen zu erbringen. Für die Weltreiterspiele ist King Artus vorgesehen, Gadget de la Cere befindet sich in der Vorbereitung auf das CCI**** in Burghley. "Daran soll sich auch nichts ändern. King Artus wurde am Montag untersucht, macht eine kurze Schrittpause und bisher spricht nichts dagegen, dass er in Schenefeld an den Start gehen kann," berichtet Dirk Schrade. In Aachen wurde der Wallach leider wegen einer leichten Lahmheit nach der Dressur zurück gezogen. In einem aktuellen "Buschreiter-Interview" (www.buschreiter.de) bestätigt Bundestrainer Hans Melzer aber, dass für King Artus ein Start bei den Deutschen Meisterschaften in Schenefeld ausreichen wird, um sich weiterhin für die WM zu empfehlen.

Vor dem Sichtungsturnier in Aachen gab es drei weitere Paare, die in der ersten "Longlist-Gruppe" für die Weltreiterspiele genannt wurden. Hinrich Romeike musste seinen Marius leider schon nach dem CCI*** in Strzegom/POL in eine Zwangspause schicken, für Simone Deitermann / Free Easy und Kai Rüder / Leprince des Bois sprachen vor allen Dingen die guten Auftritte beim CCI**** in Badminton/GBR.

Die beiden letztgenannten Paare hatten dann aber in Aachen nicht gerade das Glück auf ihrer Seite: Simone Deitermann wurde unmittelbar vor dem Start zur Geländetrecke wegen Reperaturarbeiten an einem Hinderniskomplex angehalten, hatte aber haupsächlich deshalb Probleme am ersten Wasserkomplex, weil die schwere Aufgabe bereits am Anfang der Strecke zu absolvieren war. "Ich habe es eigentlich am liebsten, wenn ich mit Free Easy erst einmal zwei bis drei Minuten galoppieren kann. Am Wasserseinsprung in Aachen ging er unheimlich weiter und sprang weit hinein", berichtet Simone Deitermann. Die Folge war ein Vorbeilaufer am schmalen Element "B". Im Anschluss war der Gang dann offensichtlich draußen, denn Free Easy zeigte sich völlig ungewohnt angespannt, sodaß beide an der Alternative ausscheiden mussten. In Absprache mit den Bundestrainern plant Simone Deitermann nun zunächst einen Start beim CIC** in Sahrendorf, um wieder ein gutes Gefühl zu erzeugen. Danach stehen die Weltcupprüfung in Malmö und die Deutsche Meisterschaften in Schenefeld auf dem Programm. Alles scheint also noch offen und möglich!

Besonders ungewöhnlich aber traf es Kai Rüder, der mit Power-Pack Leprince des Bois eine sehr gute Dresur zeigte aber mit dem Parcours nicht ganz zufrieden war. Im Gelände löste die neue Airback-Weste versehentlich aus und nahm Kai Rüder bei den folgenden Sprüngen Sicht und wohl auch einen Teil der Luft. An der Normadiebank konnte der erfahrene Reiter dann Leprince des Bois nicht daran hindern nach dem Aufsprung am folgenden Element vorbei zu ziehen. Diese Hindernisse gehören zwar wahrscheinlich nicht zu den Lieblingssprüngen des französischen Hengstes, nach der Verweigerung im Cross des CCI**** in Badminton kann man aber sicherlich davon ausgehen, dass Kai Rüder eine solche Aufgabe ausgiebig trainiert hatte, also auf Aachen vorbereitet war. Auch Leprince des Bois soll nun das CIC***-W in Malmö gehen, danach werden die Chancen auf eine WM-Teilnahme "ausgelotet" und darüber entschieden, ob der nächste Start beim CIC***-W in Schenefeld oder dem CCI**** in Burghley/GBR statt findet. Ob Kai Rüder in Zukunft auf die Dienste einer Air-Back-Weste zählt, wollte der Reiter noch nicht beantworten, ein Treffen mit den Herstellern, die in Aachen anwesend waren, sei aber sehr konstruktiv gewesen.

Nicht in der ersten "Longlist-Gruppe" aber dennoch mit Aussichten auf einen erneuten Championatseinsatz war Kai-Steffen Meier mit TSF Karascada M in Aachen am Start. In der Dressur zeigte sich die "alte" Schwäche, nämlich die Nerven der Stute, und Kai-Steffen musste vom 40. Platz in das Springen gehen. Im Parcours blieb die Trakehnerstute dann wie gewohnt fehlerfrei, wurde aber vor dem Geländeritt wegen eines leicht angelaufenen Beines zurück gezogen. "Das war wohl etwas ganz Kurzfristiges. Karascada ist nach wie vor lahmfrei und kann weiter trainiert werden. Ich werde in Sahrendorf die Dressur reiten und eventuell auch den Parcours und ein paar Sprünge im Gelände. Danach starte ich in Malmö (CIC***-W) und Schenefeld. Für uns ist jetzt wichtig, wieder gute Dressur-Ergebnisse zu zeigen", beschreibt Kai-Steffen Meier die derzeitige Situation in Bezug auf eine Championatsteilnahme.

Es bleibt also spannend!

Bericht: Gabriel Kolb

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